Warum verschieben wir so vieles auf später?

Es war ein Mittwochabend, und ich saß am Laptop. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, endlich diese eine E-Mail zu schreiben. Diese eine, die schon seit Tagen auf meiner mentalen Liste stand und die jedes Mal, wenn ich daran dachte, ein kleines, unangenehmes Ziehen im Bauch auslöste. Keine große Sache. Nur eine Absage. Oder eigentlich nicht mal eine richtige Absage, eher eine höfliche Rückmeldung, dass ich bei einem Projekt nicht mitmachen kann. Fünf Minuten, mehr würde es nicht brauchen.

Aber stattdessen saß ich da und scrollte durch Nachrichtenseiten. Dann durch soziale Medien. Dann habe ich angefangen, meinen Desktop aufzuräumen, Dateien zu sortieren, die dort schon seit Monaten lagen. „Was machst du da?“, fragte er, als er mit zwei Tassen Tee in die Küche kam. „Ich… räume auf“, sagte ich. Er lächelte. „Du solltest doch diese Mail schreiben, oder?“ Ich seufzte. „Ja. Aber erst muss ich hier mal Ordnung schaffen.“

Er setzte sich neben mich, und wir haben beide gelacht. Weil wir beide wussten, dass das Quatsch war. Dass ich nicht aufräumte, weil es nötig war, sondern weil ich etwas anderes nicht tun wollte. „Warum ist das eigentlich so?“, fragte ich. „Warum schieben wir Dinge auf, die eigentlich nicht mal schwer sind?“

Das war der Anfang. Von da an haben wir angefangen, darüber zu reden. Über dieses „später“. Dieses Wort, das wir so oft benutzen. Später mache ich das. Später kümmere ich mich darum. Später fange ich an. Als wäre später ein magischer Ort, an dem alles einfacher ist, an dem wir mutiger sind, motivierter, organisierter.

In den nächsten Tagen habe ich angefangen, bewusst darauf zu achten, wie oft ich „später“ sage. Oder denke. Und es war erschreckend. Ich verschiebe ständig. Nicht nur große Dinge. Auch kleine. Den Anruf bei meiner Mutter. Das Buch zurückbringen in die Bibliothek. Die Pflanze umtopfen, die dringend einen größeren Topf braucht. Die Rechnung bezahlen, die noch zwei Wochen Zeit hat, die ich aber auch jetzt schon erledigen könnte.

„Ich glaube, wir alle machen das“, hat er gesagt. „Prokrastination heißt das, oder? Ich habe mal gelesen, dass das eine der häufigsten Herausforderungen ist, mit denen Menschen zu kämpfen haben.“ Prokrastination. Das Wort klingt so technisch, so medizinisch fast. Aber im Grunde beschreibt es nur etwas sehr Menschliches: Wir schieben auf, was wir eigentlich tun sollten oder wollen.

Ich habe dann recherchiert, weil ich verstehen wollte, was dahintersteckt. Und es ist komplizierter, als ich dachte. Es geht nicht einfach nur um Faulheit oder schlechtes Zeitmanagement. Es geht um etwas viel Tieferes.

Psychologen sprechen von einem Konflikt zwischen dem gegenwärtigen Selbst und dem zukünftigen Selbst. Das gegenwärtige Selbst will es bequem haben, will sich gut fühlen, will keine unangenehmen Emotionen erleben. Das zukünftige Selbst, das ist der, der die Konsequenzen trägt. Der die Frist verpasst, der den Ärger bekommt, der sich ärgert. Aber das zukünftige Selbst ist abstrakt, weit weg, schwer greifbar. Das gegenwärtige Selbst ist real. Und meistens gewinnt das gegenwärtige Selbst.

Es gibt sogar einen Begriff dafür: „temporal discounting“ oder zeitliche Diskontierung. Wir bewerten unmittelbare Belohnungen höher als zukünftige Belohnungen, selbst wenn die zukünftigen größer wären. Deshalb essen wir das Stück Kuchen jetzt, obwohl wir eigentlich abnehmen wollen. Deshalb schauen wir noch eine Folge, obwohl wir morgen früh raus müssen. Deshalb verschieben wir die unangenehme Aufgabe, obwohl wir wissen, dass sie später nur noch unangenehmer wird.

„Aber warum?“, habe ich gefragt. „Warum ist unser Gehirn so gebaut?“ Er hat nachgedacht. „Vielleicht, weil es evolutionär Sinn gemacht hat? In der Steinzeit war die unmittelbare Belohnung wichtiger. Wenn du Hunger hattest und Essen gefunden hast, dann war es klug, das sofort zu essen, nicht für später aufzubewahren. Die Zukunft war unsicher.“

Das macht Sinn. Unser Gehirn ist für eine Welt optimiert, die nicht mehr existiert. Eine Welt, in der die Zukunft tatsächlich unsicher war, in der es keinen Sinn machte, für morgen zu planen, weil morgen vielleicht nie kam. Aber heute leben wir in einer völlig anderen Welt. Eine Welt mit Terminen, mit langfristigen Zielen, mit Konsequenzen, die erst Wochen oder Monate später eintreten. Und unser steinzeitliches Gehirn kommt damit nicht ganz klar.

Ich habe auch gemerkt, dass es bestimmte Arten von Aufgaben gibt, die ich besonders gerne verschiebe. Und interessanterweise sind das nicht unbedingt die, die am meisten Zeit oder Aufwand kosten. Manchmal ist es genau das Gegenteil. Manchmal verschiebe ich Dinge, die wirklich nur fünf Minuten dauern würden.

„Weißt du, was ich glaube?“, habe ich eines Abends gesagt. „Ich glaube, wir verschieben vor allem die Dinge, bei denen wir uns unwohl fühlen. Nicht unbedingt, weil sie schwer sind, sondern weil sie unangenehme Emotionen auslösen.“

Diese E-Mail zum Beispiel. Die war nicht schwer zu schreiben. Aber sie bedeutete, jemandem abzusagen, jemanden vielleicht zu enttäuschen. Und das Gefühl wollte ich nicht haben. Also habe ich es verschoben. Habe gehofft, dass es später leichter wird. Dass ich später mutiger bin, gefasster, dass es mich dann weniger berührt.

Aber natürlich wird es nicht leichter. Das ist die Ironie. Je länger ich warte, desto schwerer wird es. Weil jetzt nicht nur die ursprüngliche unangenehme Emotion da ist, sondern auch die Scham, dass ich so lange gewartet habe. Die Angst, dass die andere Person sauer ist. Die Verlegenheit, dass ich jetzt eine Entschuldigung formulieren muss für mein langes Schweigen.

Ich habe über einen Artikel gelesen, der beschreibt, dass Prokrastination oft eine Form von Emotionsregulation ist. Wir schieben nicht die Aufgabe auf, sondern das Gefühl, das die Aufgabe in uns auslöst. Die Angst zu versagen. Die Unsicherheit, ob wir es gut genug machen. Die Scham, dass wir nicht besser sind. Die Sorge, beurteilt zu werden. All diese Gefühle sind unangenehm. Und indem wir die Aufgabe verschieben, verschieben wir auch diese Gefühle. Zumindest kurzfristig.

Aber langfristig wird es schlimmer. Weil zu den ursprünglichen Gefühlen noch neue hinzukommen. Die Last, die eine unerledigte Aufgabe mit sich trägt. Dieses Gefühl, das im Hinterkopf liegt und nicht weggeht. Dieser mentale Druck.

Es gibt eine psychologische Studie, die das beschreibt. Der Zeigarnik-Effekt, benannt nach einer russischen Psychologin. Unerledigte Aufgaben bleiben in unserem Gedächtnis präsenter als erledigte. Sie beschäftigen uns. Sie erzeugen eine Art innere Spannung, die nicht verschwindet, bis die Aufgabe erledigt ist. Deshalb fühlen wir uns oft so erleichtert, wenn wir endlich etwas abhaken können. Nicht nur, weil es fertig ist, sondern weil dieser mentale Druck endlich nachlässt.

„Ganz ehrlich“, habe ich gesagt, „manchmal frage ich mich, ob ich einfach nur faul bin. Ob ich mich nur zusammenreißen müsste.“ Er hat den Kopf geschüttelt. „Ich glaube nicht, dass das Faulheit ist. Ich glaube, das ist etwas anderes. Weil du ja trotzdem Dinge tust. Du sitzt ja nicht einfach nur rum. Du machst andere Dinge.“

Er hatte recht. Wenn ich prokrastiniere, bin ich nicht untätig. Im Gegenteil. Ich bin oft sehr beschäftigt. Ich räume auf, ich lese, ich organisiere, ich erledige andere Aufgaben. Nur nicht die eine, die ich eigentlich erledigen sollte. Das ist nicht Faulheit. Das ist Vermeidung.

Und Vermeidung hat oft mit Perfektionismus zu tun, habe ich gelesen. Menschen, die sehr hohe Ansprüche an sich selbst haben, schieben oft auf. Nicht weil sie nicht motiviert sind, sondern weil sie Angst haben, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen. Wenn ich etwas nicht anfange, dann kann ich auch nicht versagen. Solange es ungemacht ist, bleibt die Möglichkeit, dass es perfekt hätte werden können. Sobald ich anfange, wird es real. Und real ist immer weniger als perfekt.

„Ich glaube, das kenne ich“, hat er gesagt. „Dieses Gefühl, dass es nie gut genug ist. Dass ich noch warten muss, bis ich bereit bin, bis die Bedingungen stimmen, bis ich genug weiß oder kann oder verstanden habe.“ „Ja“, habe ich gesagt. „Und dann wartet man und wartet. Und der richtige Zeitpunkt kommt nie.“

Weil der richtige Zeitpunkt eine Illusion ist. Es gibt keinen perfekten Moment, um anzufangen. Keine perfekten Bedingungen. Keine Version von uns, die perfekt vorbereitet ist. Es gibt nur jetzt. Und „später“ ist nur eine andere Art, „nie“ zu sagen.

Aber das zu wissen, hilft nicht unbedingt. Ich kann mir sagen: Fang einfach an. Mach es jetzt. Warte nicht. Und trotzdem sitze ich da und finde wieder Gründe zu warten. Noch eine Tasse Tee. Noch schnell diese eine Sache. Noch ein bisschen recherchieren, planen, vorbereiten.

Es gibt auch kulturelle Unterschiede im Umgang mit Zeit und Aufschieberitis, habe ich entdeckt. In manchen Kulturen wird Pünktlichkeit und sofortiges Handeln hochgeschätzt. In anderen ist ein entspannterer Umgang mit Zeit normal. In Deutschland zum Beispiel gilt Pünktlichkeit viel. Termine werden ernst genommen. Wenn man sagt, man macht etwas, dann wird erwartet, dass man es macht. Und wenn man es aufschiebt, trägt das oft ein Gefühl von Schuld oder Versagen mit sich.

In anderen Kulturen ist Zeit fluider. Termine sind Vorschläge, keine Verpflichtungen. „Später“ ist keine Ausrede, sondern eine normale Zeitangabe. Das heißt nicht, dass die Menschen dort weniger produktiv sind. Sie haben einfach ein anderes Verhältnis zur Zeit.

„Vielleicht“, habe ich gesagt, „sind wir auch einfach zu hart zu uns selbst. Vielleicht ist es okay, manchmal Dinge aufzuschieben.“ Er hat mich angeschaut. „Wie meinst du das?“ „Na ja“, sagte ich, „vielleicht ist ‚später‘ manchmal eine vernünftige Entscheidung. Wenn wir gerade keine Energie haben. Wenn wir uns zuerst um etwas anderes kümmern müssen. Wenn der Zeitpunkt wirklich ungünstig ist.“

Da ist etwas dran. Nicht jedes Aufschieben ist schlecht. Manchmal brauchen wir Zeit. Zeit, um nachzudenken. Zeit, um zu reifen in einer Entscheidung. Zeit, um uns vorzubereiten, nicht aus Angst, sondern aus Weisheit.

Es gibt einen Unterschied zwischen aktivem Aufschieben und passivem Aufschieben, habe ich gelesen. Passives Aufschieben ist das, was wir normalerweise als Prokrastination bezeichnen. Wir verschieben, weil wir vermeiden wollen. Wir fühlen uns schlecht dabei. Es nagt an uns. Aktives Aufschieben dagegen ist eine bewusste Entscheidung. Wir entscheiden uns, etwas später zu machen, weil es jetzt nicht der richtige Moment ist. Wir haben Frieden damit. Es belastet uns nicht.

„Ich glaube, der Unterschied liegt im Gefühl“, habe ich gesagt. „Wenn ich etwas verschiebe und mich dabei schlecht fühle, gestresst, schuldig — dann ist es Prokrastination. Aber wenn ich etwas verschiebe und dabei entspannt bleibe, weil ich weiß, dass ich es zu einem besseren Zeitpunkt machen werde — dann ist es Planung.“

Aber wie kommt man dahin? Wie schafft man es, aus dem passiven in das aktive Aufschieben zu wechseln? Das ist die Frage, die mich seitdem beschäftigt.

Ich habe angefangen, kleine Experimente zu machen. Bei dieser E-Mail zum Beispiel. Statt weiter zu verschieben, habe ich mir gesagt: Okay, ich schreibe sie jetzt. Nicht perfekt. Einfach nur ehrlich und freundlich. Und ich habe es gemacht. Fünf Minuten. Und danach war dieses Gefühl da. Diese Erleichterung. Diese Leichtigkeit. Nicht weil die E-Mail so großartig war, sondern weil sie weg war. Erledigt. Nicht mehr auf meiner Liste.

Und ich habe gemerkt: Der Moment des Anfangens ist der schwerste. Sobald ich angefangen habe, lief es. Aber dieser erste Schritt, dieses Überwinden der Schwelle, das kostet die meiste Energie. Als wäre da eine unsichtbare Mauer, die ich durchbrechen muss.

Es gibt eine Technik, die manche Menschen nutzen: die Zwei-Minuten-Regel. Wenn etwas weniger als zwei Minuten dauert, mach es sofort. Nicht aufschieben, nicht auf die Liste setzen, einfach machen. Und ich habe angefangen, das zu testen. Kleine Dinge. Die Rechnung bezahlen. Die kurze Nachricht schreiben. Das Geschirr in die Spülmaschine räumen. Und es funktioniert. Zumindest manchmal. Weil diese kleinen Dinge dann nicht mehr zu mentalen Lasten werden, die mich begleiten.

Aber bei größeren Aufgaben? Bei Projekten, die Stunden oder Tage brauchen? Da funktioniert die Zwei-Minuten-Regel nicht. Da braucht es etwas anderes. Und ich glaube, es hat mit Anfangen zu tun. Nicht mit Fertigstellen, sondern mit Anfangen.

„Vielleicht“, habe ich gesagt, „müssen wir lernen, anzufangen, ohne zu wissen, wie es endet. Ohne den ganzen Weg zu sehen. Einfach den ersten Schritt zu machen.“ Er hat genickt. „Aber das ist schwer. Weil wir Kontrolle wollen. Wir wollen wissen, dass es klappt, bevor wir anfangen.“

Genau das. Wir wollen Sicherheit. Wir wollen Garantien. Und solange wir die nicht haben, warten wir. Wir sagen: später. Später, wenn ich mehr weiß. Später, wenn ich besser vorbereitet bin. Später, wenn die Bedingungen stimmen.

Aber die Wahrheit ist: Es wird nie perfekt sein. Es wird immer Unsicherheit geben. Es wird immer Risiken geben. Und wenn wir auf den perfekten Moment warten, dann warten wir für immer.

Ich denke an all die Dinge in meinem Leben, die ich aufgeschoben habe. Manche habe ich irgendwann gemacht. Manche habe ich nie gemacht. Und wenn ich zurückschaue, dann ist das Interessante: Die Dinge, die ich gemacht habe, waren selten perfekt. Aber sie waren fertig. Und die Dinge, die ich nicht gemacht habe, die sind nur Fragezeichen geblieben. Möglichkeiten, die verblasst sind.

„Bereust du etwas?“, habe ich gefragt. Er hat lange überlegt. „Ja“, sagte er dann. „Ich bereue vor allem die Dinge, die ich nicht gemacht habe. Nicht die, bei denen ich gescheitert bin, sondern die, die ich gar nicht erst versucht habe. Weil ich gewartet habe. Weil ich dachte, später wäre besser.“

Das hat mich getroffen. Weil ich das auch kenne. Diese stillen Bedauern. Diese „Was wäre wenn“-Fragen. Nicht die Fehler, die ich gemacht habe, halten mich nachts wach. Sondern die Chancen, die ich nicht genutzt habe. Die Gespräche, die ich nicht geführt habe. Die Projekte, die ich nicht begonnen habe. All die „später“, die nie gekommen sind.

Es gibt ein Sprichwort: Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Der zweitbeste ist jetzt. Ich mag dieses Sprichwort. Es erinnert daran, dass es nie zu spät ist. Dass „jetzt“ immer eine Option ist. Auch wenn „früher“ besser gewesen wäre.

Aber es ist auch sanft. Es sagt nicht: Du hättest. Es sagt: Du kannst. Jetzt. In diesem Moment. Du kannst anfangen.

Und vielleicht ist das der Schlüssel. Nicht Perfektion. Nicht Kontrolle. Sondern einfach Anfangen. Mit allem, was man hat. Mit aller Unsicherheit. Mit allen Zweifeln. Einfach beginnen.

Ich habe gemerkt, dass sich etwas verändert hat in den letzten Wochen. Ich schiebe immer noch auf. Ich bin nicht plötzlich jemand geworden, der alles sofort erledigt. Aber ich bin bewusster geworden. Ich merke, wenn ich prokrastiniere. Ich spüre, welche Emotion dahintersteckt. Und manchmal, nicht immer, aber manchmal, schaffe ich es, trotzdem anzufangen.

Und jedes Mal, wenn ich das schaffe, fühlt es sich gut an. Nicht triumphierend. Eher ruhig. Als hätte ich ein kleines Versprechen an mich selbst gehalten.

„Weißt du, was mir aufgefallen ist?“, habe ich neulich gesagt. „Dass ‚später‘ oft ein anderes Wort für ‚nie‘ ist. Aber manchmal ist es auch ein Wort für ‚noch nicht bereit‘. Und der Unterschied liegt darin, ob wir irgendwann zurückkommen zu der Sache. Ob wir es wirklich vorhaben oder ob wir uns nur etwas vormachen.“

Er hat nachgedacht. „Vielleicht sollten wir ehrlicher sein. Zu uns selbst. Wenn wir etwas nicht machen wollen, dann sollten wir das sagen. Nicht ‚später‘, sondern ‚nein‘. Und wenn wir etwas wirklich machen wollen, dann sollten wir einen konkreten Plan machen. Nicht ‚später‘, sondern ‚morgen um zehn‘.“

Das macht Sinn. Später ist vage. Später ist unverbindlich. Später ist eine Flucht. Aber ein konkreter Zeitpunkt? Das ist eine Entscheidung. Das ist ein Commitment.

Heute, ein paar Wochen nachdem wir angefangen haben, über all das zu sprechen, merke ich, dass die Frage nicht ist: Wie höre ich auf zu prokrastinieren? Die Frage ist: Was will ich wirklich? Was ist mir wichtig? Und bin ich bereit, dafür unbequeme Gefühle auszuhalten?

Weil das ist es, was Prokrastination im Kern ist. Ein Vermeiden von Unbehagen. Und solange ich nicht bereit bin, dieses Unbehagen zu spüren, werde ich weiter aufschieben. Aber wenn ich akzeptiere, dass Unbehagen dazugehört, dass es Teil des Prozesses ist, dass es nicht bedeutet, dass etwas falsch ist — dann wird es leichter.

Nicht einfach. Aber leichter.

Und vielleicht ist das die stille Einsicht, die am Ende bleibt. Dass „später“ nicht der Feind ist. Dass wir manchmal wirklich später brauchen. Zeit, um zu reifen. Zeit, um Mut zu sammeln. Aber dass wir ehrlich sein müssen. Mit uns selbst. Ob dieses „später“ ein echtes „noch nicht“ ist oder ein verkleidetes „nie“. Und wenn es ein „noch nicht“ ist, dann dürfen wir uns die Zeit nehmen. Aber dann sollten wir auch wirklich zurückkommen. Sollten das Versprechen an uns selbst halten. Dass „später“ wirklich kommt. Irgendwann.

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